Wohin mit unserer Gülle?

Deutschland hat ein Gülleproblem. Bei unserer Fleischproduktion entstehen pro Jahr ca. 1,5 Milliarden Liter Gülle, das entspricht einem Güllesee, der 500 Meter lang, 500 Meter breit und durchgehend 6 Meter tief ist. Und es kann noch schlimmer kommen: Die staatlich subventionierte Industrialisierung der Landwirtschaft lässt die Zahl der Nutztiere und analog dazu den Anfall von Gülle, Jauche und Mist weiter anwachsen. In den Tiermastregionen im Nordwesten von Niedersachsen und im Münsterland können die Pflanzen den organischen Dünger, der auf die Felder ausgebracht wird,  schon jetzt nicht mehr vollständig aufnehmen. Folge: das gesundheitsschädliche Nitrat sickert ins Grundwasser. Ebenso verschlechtert sich in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern das Grundwasser, da  Gülleüberschüsse des sogenannten ‚Schweinegürtels’ bei Cloppenburg und Vechta  mit Schiff und Lkw-Transporter dorthin geschafft werden. Zudem verschärfen Gülletransporte aus den Niederlanden unser Grundwasserproblem: Weil unser Nachbarland nicht mehr genügend Ackerflächen zum Ausbringen der Gülle hat, wird die stinkende Brühe im Tankwagen mehrere hundert Kilometer nach Deutschland transportiert, unter anderem in die Südeifel. Es gibt dort bereits Pläne, die Güllelieferungen aus Holland in einem riesigen Lagerbecken zu sammeln.

 

Die Folgen der Gülleschwemme

Die Geruchsbelästigungen der Wanderer und Spaziergänger durch die Gülle sind noch das kleinste Problem. Viel ernster ist die wachsende Verseuchung unseres Grundwassers mit Nitrat, mehr als Drittel des deutschen Grundwassers ist bereits in einem bedenklichen Zustand. Für die Wasserwerke heißt das, immer tiefer nach sauberem Grundwasser bohren zu müssen, damit wir unser Trinkwasser bedenkenlos trinken können. Dieses gute Wasser mischt man dann mit dem nitratbelasteten Grundwasser. Doch schon bald könnte die Verdünnungsmethode nicht mehr ausreichen. Dann braucht Deutschland für sein Trinkwasser Entsalzungsanlagen  und diese Kosten zahlt nicht der Gülleerzeuger sondern der Wasserverbraucher.

                      Gülle-Management

Weiteres Unheil droht uns von der EU. Im Oktober 2016 hat Brüssel wegen Nichteinhaltung der EU-Nitratrichtlinie gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Unser Land missachtet die in dieser Richtlinie geforderte Nitratobergrenze im Grundwasser von fünfzig Milligramm pro Liter. Unsere Nitratwerte übersteigen teilweise den Grenzwert um das Fünffache, nur Malta weist in der EU schlechtere Werte auf. Geht die EU-Klage durch, kann das Deutschland einen dreistelligen Millionenbetrag kosten.

Die Überdüngung von Feldern mit Gülle führt auch zu einer verstärkten Zufuhr von Stickstoff und Phosphor in den umliegenden Gewässern, insbesondere der Eintrag in die Ostsee ist bedenklich und verursacht schädliches Algenwachstum, während Muscheln und Fische darunter leiden.

Die in den Mega-Mastanlagen vorsorglich verabreichten Antibiotika können in den Ställen multiresistente Keime erzeugen, die mit der Gülle in die Umwelt gelangen. Auch die in der Gülle enthaltenen Reste von Antibiotika sind gefährlich, da sie von anderen Tieren aufgenommen werden und zur Bildung weiterer resistenter Keime führen können. Nicht zuletzt wird bei der Gülle-Ausbringung Ammoniak freigesetzt, das nach Umwandlung in das klimaschädliche Treibhausgas Lachgas die Klimakrise weiter vorantreibt.

 

Was ist zu tun?

Das deutsche Düngerecht muss rasch novelliert werden, insbesondere müssen die Regelungen der Düngeverordnung so verschärft werden, dass die Anforderungen des Wasserrechts erfüllt und die EU-Nitratrichtlinie künftig eingehalten wird. Die Einarbeitungszeit von ausgebrachter Gülle sollte verkürzt werden, um Ammoniak-emissionen und Nährstoffauswaschungen in benachbarte Gewässer zu minimieren. Da im Festmist Stickstoff in stabileren Verbindungen vorliegt, schont er Klima, Gewässer und Anwohner. Daher sind mit Festmist arbeitende Höfe zu bevorzugen, ebenso Tierhaltungen im Außenklima wie Weide- oder Offenstall-haltung, da sie in der Regel weniger Stickstoff emittieren. Entscheidend wird jedoch sein, die Tierhaltungsdichte wieder den vorhandenen Düngeflächen anzupassen. So würden die überregionalen Gülletransporte überflüssig und eine geringere Tierzahl pro Mastanlage würde zu einer Abkehr von der industriellen Massentierhaltung führen. Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung fände das mit Sicherheit gut, denn die negativen Auswirkungen der Intensivmast  auf Tierwohl,  Ökologie, Klima und Volksgesundheit sind inzwischen allgemein bekannt.

Ich wünsche Euch eine gute Zeit und grüße Euch herzlich

Eure

Lisa Berner

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