Neue Bauernregeln … ausgebremst

Haben unsere Bauern keinen Humor mehr? Gehen sie zum Lachen in den Keller oder in den Stall? Oder waren es gar nicht die Bauern sondern ein paar Bauernfunktionäre und unsere Agrarpolitiker, die für eine merkwürdig humorlose Reaktion auf die ‚Neuen Bauernregeln’ aus dem Bundesumweltministerium sorgten.

 

Was ist geschehen?

3 neue Bauernregeln
3 neue Bauernregeln

Anfang Februar hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Reaktorsicherheit und Bau, das seit 2013 Barbara Hendricks (SPD) leitet, zum Auftakt der Kampagne ‚Gut zur Umwelt. Gesund für alle’  neue Bauernregeln in Reimform vorgestellt (siehe Fotos). Damit wollte es auf Fehlentwicklungen in unserer industriellen Landwirtschaft hinweisen und eine breite Diskussion über naturverträgliche Landwirtschaft anstoßen. Die Kampagne sollte den Dialog mit den Landwirten verstärken und der Öffentlichkeit die Bedeutung einer nachhaltigen Landwirtschaft aufzeigen, die Artenschutz, Naturschutz und die Gesundheit berücksichtigt.  Außerdem sollte mit der PR-Aktion des Umweltministeriums die Notwendigkeit eines Umbaus der EU-Agrarförderung, die einen dreistelligen Milliardenbetrag umfasst, betont werden. Das deutsche Umweltministerium wollte zeigen, dass es erforderlich ist,  in Zukunft die EU-Landwirte stärker für öffentliche Leistungen wie Naturschutz, Landschaftspflege und Tierwohl zu honorieren.

 

Wie war die Reaktion auf die Reim-Kampagne?

 

Die Reaktion war sehr unterschiedlich: die Bauernlobby, Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt (CSU) und die Mehrzahl der Bauern waren empört und sprachen von Diffamierung des Bauernstandes, dagegen gefielen einer breiten Öffentlichkeit die lustigen Sprüche.

Die harsche Kritik der Agrarfunktionäre an den witzigen Reimen des Hendricks-Ministeriums hat mich erstaunt. Sorry, es tut mir leid, aber ich finde es originell und kreativ, wenn jemand die offensichtlichen Missstände und Fehlentwicklungen unserer industriellen Landwirtschaft nicht in schwer verständlichem Fachchinesisch anspricht sondern mit lustigen UND treffenden Reimen. Viele Zeitgenossen sehen es ebenso. Bei einer Diskussion im Rundfunk zu der Reim-Kampagne, bei der sich die Hörer mit Kommentaren einschalten konnten, begrüßte eine deutliche Mehrheit der teilnehmenden Hörer die Reime.

 

Schlussfolgerung

 

Die Käufer landwirtschaftlicher Erzeugnisse haben es offensichtlich satt, bei der Beseitigung der Misstände in Feld und Stall von Agrarminister Schmidt mit einer Hinhaltetaktik abgespeist zu werden. Daher fand es die Mehrheit gut, als die Umweltministerin in unkonventioneller Reim-Form die Finger in die Wunden legte. Leider hat Hendricks dem Druck von Bauern- und Fleischlobby sowie vom Koalitionspartner CDU/CSU nicht standgehalten und ihre Kampagne eingestellt. Aber die Konsumenten und die Kämpfer für Tier-, Klima- und Regenwaldschutz haben noch ein Ass im Ärmel: Die Wahlurne der Bundestagswahl im September. Da wird entschieden, ob wir endlich eine artgerechte und gesündere Agrarpolitik bekommen.

 

Ich wünsche Euch eine gute Zeit und grüße Euch ganz herzlich

Eure

Lisa Berner

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