Die ‚Ampel‘ zur Lebensmittelkennzeichnung

An meiner Schule kam kürzlich in der Mittagspause die Rede auf Lebensmittelkennzeichnung. Während ein Kollege sich für das heute in Deutschland übliche GDA-Modell einsetzte (GDA = Guideline Daily Amount = Richtwerte für die tägliche Aufnahme gesundheitsrelevanter Nährstoffe), unterstützten mich andere Kollegen bei meiner Forderung, auch bei uns ‚die Ampel’ einzuführen.

 

Was ist eigentlich die ‚Ampel’ ?

 

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Fett                   Zucker            Salz                      eine mögliche Ampel

Die Ampel informiert den Konsumenten mit den Farben Grün, Gelb und Rot darüber, ob ein bestimmtes Lebensmittel  bei Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz einen niedrigen, mittleren oder hohen Gehalt aufweist. Die Einordnung in die Gruppen niedrig, mittel und hoch orientiert sich an den Angaben der britischen Lebensmittelbehörde. Die Ampelfarben sollen gut sichtbar auf der Vorderseite der Verpackung stehen. Für Lebensmittel und für Getränke gelten unterschiedliche Grenzwerte (Beispiel: hoher Zuckergehalt bei Lebensmittel wenn mehr als 22,5 g  Zucker pro 100 g Lebensmittel, hoher Zuckergehalt bei Getränken wenn mehr als 11,25 g pro 100 ml).

 

Wo gibt es bereits die ‚Ampel’ ?

 Seit 2006 wird die Ampel in Großbritannien erprobt. Bereits nach 2 Jahren trugen fast 10.000 Produkte, die gemeinsam einen Marktanteil von 40 Prozent hatten, freiwillig die Ampel. Eine Studie zeigte, dass 9 von 10 Teilnehmer die Ampel korrekt angewandt haben, die Briten haben die Botschaft der drei Farben verstanden. Die Ampel-Kennzeichnung hat auch Hersteller veranlasst, die Rezeptur ihrer Produkte zu ändern, um weniger rote Ampeln zu bekommen. Mit Blick auf die Zunahme von Diabetes II und Fettleibigkeit ist eine solche Reaktion gesamtgesellschaftlich sehr erwünscht.

In Deutschland hat der Bundestag 2008 mit Stimmen der CDU/CSU, SPD und FDP eine von den Grünen beantragte Einführung der Ampel abgelehnt. Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde  – ein Lobbyverband der Lebensmittelwirtschaft  – sprach sich auch gegen die Ampel aus, da sie nicht berücksichtige, dass der Bedarf an bestimmten Nährstoffen bei  verschiedenen Menschen unterschiedlich sei.

Demgegenüber befürwortet die Verbraucherschutzorganisation foodwatch die Ampel, da sie nach einer eigenen Studie eine deutlich einfachere Einschätzung eines Lebensmittels erlaube als die GDA-Kennzeichnung. Auch die gesetzlichen Krankenkassen forderten 2009 unter Federführung der AOK die Bundesregierung auf, sich in Brüssel für eine Ampelkennzeichnung einzusetzen. Im März 2010 verlangte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte die Einführung der Ampel. Nach einer Emnid-Umfrage 2009 befürworten mehr als zwei Drittel der Deutschen eine Ampel-Kennzeichnung.

 

Ausblick

Der Anteil der Bundesbürger, die eine gesunde Ernährung für wichtig halten, steigt ständig. Daher bin ich der Auffassung, dass die politischen Rahmenbedingungen einer gesunden Ernährung im bevorstehenden Bundestagswahlkampf erörtert werden sollten.

Damit meine ich nicht nur ein leicht verständliches Lebensmittelkennzeichnungssystem wie die Ampel, sondern auch weitere Probleme im Bereich der Ernährung wie hochzuckerhaltige Getränke, Antibiotikarückstände im Fleisch, Dioxine und PCB in tierischen Lebensmitteln, hoher Nitratgehalt im Grundwasser in Gebieten mit viel Massentierhaltung, irreführende Werbung bei Kinderlebensmitteln.

Ich bitte Euch, bei den Wahlveranstaltungen zur Bundestagswahl diese Probleme mutig anzusprechen und von den Politikern eine klare Aussage zu verlangen.

Herzliche Grüße und Euch allen eine gute Zeit

Eure

Lisa Berner

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